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wieviel Sinn macht der Einsatz in der Schule? |
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6. Fazit In dem Artikel "Engagierte Dilettanten", erschienen in "Die Zeit" vom 13.06.97, wird die derzeitige Situation der Internetinitiativen an bundesdeutschen Schulen, z.T. sehr pointiert auf den Punkt gebracht. "Die Schüler und Lehrer in Deutschland sind auf große Klassenfahrt gegangen. Sie kommen munter voran auf der vielzitierten Datenautobahn. Der Lehrer sitzt am Steuer und seine Schüler bringen ihm unterwegs das Fahren bei. Und keiner weiß, wohin die Reise geht." Das Hauptproblem: "Für die Schulen am Netz gibt es weder ein pädagogisches Konzept, noch gibt es Lehrer, die ein solches vermitteln könnten." "Die Ausbildung und Vorbereitung der Lehrer auf das Computerzeitalter ist schlicht verschlafen worden." Daraus folgt, daß in den Schulen vorläufig "medienpädagogische Anarchie" herrscht. "Denn derzeit wird der Medienunterricht hauptsächlich von autodidaktischen Computerfreaks bestritten, die weitgehend unbehelligt von staatlicher Gängelung so ziemlich alles ausprobieren können, was ihnen einfällt ..." Durch den Einsatz von Computern im Unterricht steigen die Anforderungen an LehrerInnen, die zusätzlich zur pädagogischen Arbeit die Funktion von Computerfachleuten übernehmen müssen. "Der Unterricht ist für den Lehrer eher anstrengender, weil er nun zwei Dinge gleichzeitig tun muß: auf den Fachunterricht achten und sich um die Maschinen kümmern." Bisher erfolgt die Weiterbildung in den meisten Fällen rein autodidaktisch. "Insgesamt legt ein Berufsstand, dessen Vertreter als "wehleidig" verspottet und als "faule Säcke" beschimpft werden, erstaunlich viel Eigeninitiative und Einsatzbereitschaft an den Tag."126
Im Folgenden werden einzelne Gliederungspunkte dieser Arbeit noch einmal aufgegriffen und mit persönlichen Anmerkungen und Wertungen versehen. Zugangsmöglichkeiten für Schulen: Bezüglich der Zugangsmöglichkeiten für Schulen wäre es wichtig, die Finanzierung der Anschlußkosten über die Dauer von zeitlich beschränkten Förderprogrammen hinaus zu sichern. "Wie die Schulen den ISDN-Anschluß und die entsprechenden Telefonkosten nach Ausschöpfung der Gutschrift bzw. nach 1998 mit Blick auf die leeren Haushaltskassen bestreiten sollen, bleibt - vorsichtig ausgedrückt - recht unklar."127 Alle pädagogischen Bemühungen wären vergebens, wenn die Schulen die Kosten für den Netzzugang nach Ablauf der Förderung nicht mehr tragen könnten. Informationssuche und -verarbeitung: "Wonach auch immer ihr sucht, im Internet werdet ihr es finden."128 Diese Aussage ist meines Erachtens nicht richtig, denn im Internet werden derzeit hauptsächlich kostenlose Beiträge veröffentlicht. Kein Verlag oder Autor kann auf Dauer Interesse daran haben, im Internet ohne Aussicht auf Verdienst zu publizieren. Das Informationsangebot beschränkt sich also naturgemäß auf institutionelle Angebote (z.B. Universitäten), vorübergehend kostenlose Angebote (z.B. Encyclopaedia Britannica), eingeschränkt nutzbare Angebote (z.B. Meyers Lexikon), Lockangebote (z.B. Schulbuchverlage), kommerzielle und private Angebote. Kostenpflichtige Seitenaufrufe würden Schulen im Netz noch stärker mit dem Finanzierungsproblem konfrontieren. Im Zusammenhang mit dem tatsächlich verfügbaren Informationsangebot bedeutet Medienkompetenz, in Bezug auf das Internet, meiner Meinung nach: SchülerInnen sollen die Fähigkeit entwickeln, das Internet als eine mögliche Informationsquelle unter vielen bewußt auszuwählen und Informationen zu suchen, zu bewerten, zu selektieren, zu verarbeiten und darzustellen. Internetinitiativen: Die großen Internetinitiativen in Deutschland basieren auf dem Prinzip des Sponsorings durch privatwirtschaftliche Unternehmen. Diese Tatsache hat eine Vermischung von Wirtschafts- und Bildunginteressen mit sowohl positiven, als auch negativen Auswirkungen zur Folge. "Kein Zweifel, die staatliche Lufthoheit über den Schulen beginnt sich aufzulösen ..."129 "Ist alles nur eine gut geplante PR-Aktion zur Vermarktung der Telekom-Aktie, oder steckt tatsächlich der Wille dahinter, Schulen an die heute so notwendigen Arbeitsweisen und Medien heranzuführen?"130 "Vielleicht erweist sich die Initiative "Schulen ans Netz" als ein Beispiel für zukünftige Kooperationsmodelle zur Bewältigung von schulischen Herausforderungen."131 Die Internet-Realität an Schulen scheint vielfach stark von den euphorischen Darstellungen seitens der Initiativen abzuweichen, welche in der Schulpraxis zum Teil stark kritisiert werden. Ein Kernproblem der Internetinitiativen besteht meines Erachtens in der Tatsache, daß "geldwerte Sachleistungen" (d.h. Computer und Perepherie) ohne Support (d.h. personelle, beratende Unterstützung) zur Verfügung gestellt werden. In diesem Punkt müßten die Rahmenbedingungen durch die Internetinitiativen oder durch staatliche Bildungsinstitutionen verbessert werden, um zu gewährleisten, daß inhaltliche Aspekte nicht fortwährend durch technische Aspekte der Internetnutzung verdrängt werden. Zweifelhaft erscheint mir die Tatsache, daß der Versuch "Schulen ans Netz", mit dem Ziel in drei Jahren 10000 Schulen an das Internet anzuschließen, so großflächig ausgelegt ist. Konnte die bisher ungeklärte Frage, ob Lehr- und Lernprozesse durch den Interneteinsatz positiv verändert werden, nicht im Rahmen des Telekom-Pilotprojekts "Comenius" an fünf Berliner Schulen geklärt werden? Warum wird so gut wie nichts über Erfahrungen mit dem Interneteinsatz an amerikanischen Schulen geschrieben? "Europa und insbesondere Deutschland hinkt, so die landläufige Meinung, den Amerikanern in Sachen Internet ungefähr zwei Jahre hinterher."132 Ließen sich Erkenntnisse aus den USA nicht zur Vermeidung von Fehlern nutzen? Interneteinsatz in der Schule: Mit dem Interneteinsatz in der Schule wird eine Reihe von bereits genannten Hoffnungen und Zielen verbunden. Unumstritten scheint, daß es dringend an der Zeit ist, "daß der Unterricht an Schulen interessanter und damit schülergemäß wird."133 Wenn sich Unterricht tatsächlich durch den Einsatz der neuen Kommunikations- und Informationsmedien in der unter Punkt 4.3. aufgeführten Art und Weise verbessern läßt, sollte der Interneteinsatz an Schulen weiter forciert werden. Derzeit bleibt jedoch unklar, ob die neuen Kommunikations- und Informationsmedien geeignet sind, die SchülerInnen dauerhaft zu motivieren. Die Bereitstellung von Technologien allein wird wohl kaum eine Veränderung traditioneller Lernformen bewirken. "Grundlegend für schulische Veränderungsprozesse müssen pädagogische Konzepte sein."134 Noch scheinen Computer- und Netznutzung für den Schulunterricht verzichtbar, denn es "läßt sich auch ohne Computer und ohne Internet vieles, sicher das meiste, lernen."135 "Ob die Bildungsinitiative "Schulen ans Netz" nicht nur die Computerbegeisterten unter Lehrern und Schülern anspricht, sondern auch das Gros der Fachlehrer vom didaktischen Sinn einer Online-Nutzung überzeugen wird, hängt zu einem nicht unbeträchtlichen Teil davon ab, ob es gute, didaktisch begründbare, möglichst schon erprobte Modelle eines sinnvollen Einsatzes der Telekommunikation im Unterricht gibt."136 Meiner Meinung nach wird die Frage, ob sich technische Probleme für die Lehrkraft in Zukunft auf ein erträgliches Maß reduzieren lassen und die Frage, ob qualitativ hochwertige Lehr- und Lernmaterialien in ausreichendem Umfang Online zur Verfügung stehen werden, den Erfolg schulischer Netzinitiativen entscheidend mitbeeinflussen. In Bezug auf den Schuleinsatz stimmt mich ein wenig nachdenklich, daß SchülerInnen aller Wahrscheinlichkeit nach, nicht mit den technischen Schwierigkeiten des Computereinsatzes konfrontiert werden, sondern die Geräte nur bedienen, wenn der Betrieb störungsfrei möglich ist. Weiterhin wäre zu überlegen, ob sich einige Projekte nicht auch mit geringerem technischem Aufwand realisieren ließen. Beispielweise ist eine Art Email-Projekt doch auch denkbar, wenn die SchülerInnen Briefe per Fax austauschen. Uneinigkeit herrscht in der Literatur über geeignete Vorgehensweisen und Modelle bei der Einbindung von netzbasierten Kommunikations- und Informationsprozessen. Meiner Meinung nach ließen sich derartige Vorhaben am sinnvollsten in einen geöffneten Unterricht nach dem Wochenplanprinzip integrieren, in dem einige wenige Computer als optionales Arbeitsmittel flexibel eingesetzt werden können. "In Deutschland geht wohl kein verantwortungsvoller Pädagoge davon aus, daß der Computer bestimmendes Medium in der Schule werden müßte. Er kann nur ein Medium unter vielen sein. Sein Platz muß in der Lernwerkstatt Klassenraum neben den Kinder-, Jugend- und Sachbüchern, der Videokamera, den Freiarbeitsmaterialien, Schulbüchern und Lexika sein. Im offenen Unterricht wird mit ihm selbstverständlich gearbeitet werden, wobei immer wieder auch die kritische Distanz zu schaffen sein wird, die zum verantwortlichen Gebrauch aller Medien befähigt."137 Clifford Stoll: "Die Wüste Internet" - eine kritische Position: Obwohl die in "Die Wüste Internet" beschriebenen Kritikpunkte sich auf Beobachtungen und Tendenzen in den Vereinigten Staaten beziehen und Clifford Stolls Ausführungen abschnittweise von mehr oder weniger sentimentalen Gedankengängen geprägt sind, sollte man ihnen meines Erachtens Aufmerksamkeit schenken. Viele der angeführten Argumente, wie z.B. In Bezug auf den Einsatz von Computern im Schulunterricht sind jedoch durchaus diskussionswürdig. Dem Vorwurf, Computer und Internet lieferten lediglich einen armseeligen Ersatz für primäre Erfahrungen, ließe sich beispielsweise entgegnen, daß sie nur dort genutzt werden sollten, wo primäre Erfahrungen nicht möglich seien. Außerdem: Können nicht auch die produktive Nutzung eines Computers oder das Erkunden von Internet-Angeboten primäre Erfahrungen sein? Können Computer, obwohl sie Stolls Meinung nach für die meisten Fächer unnötig sind, nicht dennoch eine sinnvolle Ergänzung im Methodenrepertoire des Lehrers darstellen und die Schüler zu selbsttätigem Lernen animieren? Können Computer soziale Kontakte lediglich beeinträchtigen, oder ist auch deren Bereicherung durch Kommunikation mit oder über Computern denkbar? Können die langweiligen und platten Fakten, die das Internet angeblich ausschließlich liefert nicht in Projekten durch Weiterverarbeitung der Schüler zu spannend aufbereiteten Informationen werden? WWW-Angebote für Lehrerinnen und Lehrer: Die WWW-Angebote für LehrerInnen befinden sich momentan noch in der Aufbauphase. Trotz großem Pioniergeist und Engagement der Verantwortlichen und ihrem Aufruf zur Mitarbeit, mangelt es häufig noch an geeigneten Materialien für alle Fächer und Schulstufen. Gegenwärtig bietet das Internet vorwiegend englischsprachige Ressourcen, "doch entsteht auch in Deutschland allmählich eine Kultur unter Lehrern, selbsterstellte Materialien und Materialsammlungen Kollegen zu öffnen und im Internet verfügbar zu machen."138 Das Medium eignet sich hervorragend zur kostengünstigen und flächendeckenden Verbreitung von Unterrichtsvorbereitungen und -materialien nach dem "Material On Demand"-Prinzip. Das Problem besteht derzeit darin, daß weniger Interesse an der Veröffentlichung, als am Abruf von Ressourcen besteht. Um diesem bedauerlichen Zustand Abhilfe zu schaffen, erscheinen mir die zwei folgenden Modelle geeignet. Zum einen wäre es möglich, daß Institutionen im Netz ihre Ressourcen für den Fachunterricht lediglich im Austausch zur Verfügung stellen. Zum anderen könnte das studentische Potential an den Hochschulen - besonders an den erziehungs-wissenschaftlichen Fakultäten ausgenutzt werden, um einen Pool von Materialien für den Bildungsbereich zu erstellen. Seminarbeiten, Unterrichts-vorbereitungen, Arbeitsbögen etc. könnten nach Qualitätsprüfung durch einen Hochschullehrer mit einem vertretbaren Aufwand in HTML-Dokumente umgewandelt, auf dem Universitätsserver archiviert und zum Abruf bereitgehalten werden. Die Vorteile dieses Modells liegen auf der Hand: höhere Motivation der Studentinnen und Studenten durch Veröffentlichung ihrer Arbeiten, Qualitätssicherung ohne Mehraufwand durch Hochschullehrer, fachliche Unterstützung und Entlastung von Referendaren und Lehrpersonen. Diese könnten sich mehr auf pädagogische Aspekte ihrer Lehrtätigkeit konzentrieren und durch die komfortable Zugriffsmöglichkeit auf ein umfassendes Materialangebot besseren Unterricht erteilen. WWW-Präsentation von Schulen: Mittlerweile sind auf dem Server des SchulWeb annähernd 2000 Schulen verzeichnet, die sich mit einer eigenen Homepage im Netz präsentieren. Angesichts von 7 Millionen Schreibmaschinenseiten, die Monat für Monat im Internet publiziert werden (vgl. 2.4.) stellt sich früher oder später die Frage nach dem Nutzen einer Schulhomepage und der tatsächlich erreichten Leserzahl.
Im Verlauf der vorliegenden Arbeit konnten alle eingangs aufgelisteten Teilfragen geklärt werden. Die übergeordnete Ausgangsfrage läßt sich meiner Meinung nach jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht eindeutig beantworten. "Vielleicht ... stehen wir wirklich vor dem Aufbruch in eine neue vielversprechende Lernwirklichkeit. Vielleicht wird daraus aber auch nichts, und wir haben bald ... einfach keine Kohle mehr für den ganzen Dampf."139 |
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Was bietet das Internet für den Bildungsbereich - wieviel Sinn macht der Einsatz in der Schule? Kiel, 1998 |