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wieviel Sinn macht der Einsatz in der Schule? |
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4. Interneteinsatz in der Schule 4.1. Clifford Stoll: "Die Wüste Internet" - eine kritische Position Der amerikanische Astronom Clifford Stoll ist einer der Pioniere des Internet. Nach fünfzehn Jahren Online-Erfahrung setzt er sich in seinem Buch "Die Wüste Internet" kritisch mit dem Medium auseinander. Obwohl Stoll das Internet als verlockend und fesselnd bezeichnet, empfindet er den Umgang mit dem Netz unbefriedigend. "Der Computer hat meine ganze Aufmerksamkeit, aber mag es nun an der Form oder den Inhalten liegen, das Netz befriedigt mich nicht recht."44 Die Tatsache, daß Clifford Stoll ein angesehener Computerspezialist mit den Fachgebieten Datenschutz und Computersicherheit ist, macht seine Ausführungen, die in ihrer Gesamtheit im Anhang dieser Arbeit unter Punkt 8.10. zusammengefaßt sind, besonders interessant. Das Kapitel "Über Klassenzimmer (mit und ohne Computer)" ist nach dem Abschnitt über die Zukunft der Bibliothek das umfangreichste in Clifford Stolls Veröffentlichung. Er berichtet zunächst über negative Erfahrungen mit dem Einsatz audiovisueller und computergestützter Medien im Bereich der Ausbildung. Den Gebrauch des Internets in der Schule vergleicht Stoll mit einer Filmvorführung - der Lehrer hat freie Zeit, die Schüler werden gut unterhalten und müssen nichts lernen. "Sie (Computer und Internet) machen es allen leicht, aber es findet verdammt wenig Unterricht statt."45 Der persönliche Kontakt der Schüler mit einem engagierten Lehrer, der Methoden und Inhalte vermitteln könne, sei das Wichtigste in der Schule. Computer würden soziale Kontakte beeinträchtigen, sinnliche Wahrnehmung und eigene Erfahrung seien entscheidend für den Lernprozeß. "Im Gegensatz dazu ist vieles auf dem Bildschirm Ersatz für die eigene Erfahrung; Leben durch eine elektronische Verlängerung des Nervensystems, die die meisten Gefühle abstumpft und einige wenige intensiviert. Armselige Nachahmungen treten an die Stelle der wirklichen Ereignisse."46 Computernetze würden lediglich platte und langweilige Fakten liefern und das Produkt Antwort über den Prozeß der Entdeckung stellen. Clifford Stoll vertritt die Meinung, daß Computer nichts zur Lösung der schwierigen Probleme, vor denen die Schule steht, beitragen. Der Einsatz von Computern im Unterricht sei teuer und umständlich, die Aufmerksamkeit der Schüler würde abgelenkt und der Unterrichtsablauf gestört. Schulbehörden würden Computer- und Internetprojekte fördern, um zu zeigen, daß sie innovativ sind und Unterrichtsprobleme angehen. "Computer als solche sind für die meisten Fächer nicht notwendig."47 Dennoch räumt Stoll ein: "Kinder sollten lernen, ebensowenig Angst vor Computern zu haben, wie vorm Schwimmen, Schreiben oder dem Bibliotheksbesuch."48 Seiner Ansicht nach ist es jedoch "verkehrt, unverhältnismäßig viel Geld und Aufmerksamkeit auf Rechner zu verwenden und dabei das falsche Versprechen zu machen, sie seien der Schlüssel zur Zukunft."49
4.2. Befürchtungen Viele Eltern haben Angst vor der unkontrollierten Nutzung des Internet durch Kinder und Jugendliche. Als mögliche Folgen werden neben einer hohen Telefonrechnung, die soziale Vereinsamung sowie der unkritische Umgang der Kids mit dem Online-Medium und seinen Inhalten gesehen. Befürchtet wird auch, daß der excessive Gebrauch des Informations- und Kommunikationsangebots in Formen der Sucht abgleiten kann und zu Realitäts- und Identitätsverlust führt. Die mangelnde Sicherheit im Internet bei der Übermittlung von persönlichen Daten, die Gefahr des Kreditkartenmißbrauchs und die bedrohliche Verbreitung von Computerviren können ein übriges zur skeptischen Einstellung von Eltern beitragen.50 Aufgrund der dezentralisierten Struktur des Internet sind die verfügbaren Angebote schwer kontrollierbar. Wenn in den Medien von pornographischen oder rechtsradikalen Inhalten im Internet berichtet wird, dann beziehen sich die Äußerungen meist auf einzelne Newsgruppen im Usenet. Jedoch hat jeder Internetprovider die Möglichkeit, den Zugang zu den betreffenden Bereichen zu sperren. Eltern könnten, beeinflußt durch die Medienberichterstattung und mangels eigener Kompetenzen im Umgang mit dem Internet, eine mögliche Gefährdung ihrer Kinder durch die Internetarbeit in der Schule befürchten. Diese Vorbehalte können jedoch durch eine gut informierte Lehrperson, die Wahl eines geeigneten Providers und den Einsatz von Zusatzprogrammen, die bestimmte Angebote herausfiltern, aus der Welt geräumt werden. Filterprogramme verhindern den Zugriff auf eine Reihe von Servern oder kontrollieren aufgerufene Seiten bezüglich bedenklicher Stichworte. Letztendlich läßt sich aus den Risiken jedoch auch die pädagogische Aufgabe ableiten, die Schüler und Schülerinnen auf eine Begegnung mit dem Internet vorzubereiten.51 Seitens der Lehrerschaft wird oftmals die Befürchtung geäußert, daß SchülerInnen im Bereich Computer und Internet über ein umfangreicheres Wissen als die Lehrkraft verfügen. Diese Tatsache sollte weniger als Bedrohung, denn als Chance aufgefaßt werden, die Vorerfahrungen der SchülerInnen verstärkt in den Unterricht zu integrieren. "Dadurch wird eine neue Lernatmosphäre möglich, die der Qualität von Unterricht nur gut tun kann."52
4.3. Orientierungshilfe für Eltern und Pädagogen Unter dem Titel "Internet for Kids" ist eine deutsche Übersetzung der gleichnamigen amerikanischen Veröffentlichung erschienen. Der Ratgeber wurde speziell für Kinder und Jugendliche entwickelt, er soll sie mit dem Internet vertraut machen und zu einem sinnvollen Umgang mit dem Medium anleiten. Die Autoren aus den Vereinigten Saaten (dort ist das Buch bereits seit 1995 auf dem Markt) vermitteln ein sehr positives Bild vom Internet und seinen Möglichkeiten. "Es ist gut zu wissen, daß das Internet da ist, aber aus welchem Grund wollen wir es besuchen? Die einfache Antwort lautet, daß das Internet - genauso wie dein Computer - ein Werkzeug ist, daß dir dabei hilft klüger zu werden."53 Auf der anderen Seite warnen Petersen und Moos jedoch vor dem übermäßigen Gebrauch des Mediums. "Aber geeks (Leute, die in Computer vernarrt sind) verbringen oft zu viel Zeit an ihrem Computer mit Netsurfen und Spiele spielen. Sie vergessen ihre Pflichten im Haushalt und ihre Hausaufgaben. Sie vergessen sogar ihre Freunde."54 Die mit der Internetnutzung von Heranwachsenden möglicherweise auftretenden Probleme und Gefahren werden in einem an Eltern, LehrerInnen gerichteten Abschnitt des Buches behandelt. * Kinder und Jugendliche könnten mit unangebrachtem Material sexueller oder gewalttätiger Art in Berührung kommen. * Kinder und Jugendliche könnten persönliche Informationen weitergeben, die ihre Sicherheit oder die Sicherheit der Familie gefährden. * Kinder und Jugendliche könnten durch Emails mit bedrohlichen, herabsetzenden oder sexuellen Inhalten belästigt werden.55 Um die genannten Probleme zu vermeiden und die Gefahren zu mindern, schlagen die Autoren zehn Grundregeln für das Surfen im Netz vor. Im Internet sollten Kids: * niemals persönliche Informationen weitergeben * unangenehmen Situationen aus dem Weg gehen * die eigene Persönlichkeit nicht verstellen * einen aufgestellten Zeit-Plan einhalten * bei Äußerungen stets höflich und distanziert bleiben * Online-Neulinge freundlich behandeln * Informationen und Beiträge kritisch bewerten * andere Teilnehmer mit Respekt behandeln * Ideen, Dateien und hilfreiche Hinweise teilen * sich für die Gemeinschaft aktiv und nützlich verhalten.56 Nach Aussage der Autoren "gibt es keine wirksame Sperren, um Kinder von bestimmten Plätzen fern zu halten."57 Zusatzprogramme, die Kindern und Jugendlichen den Zugriff auf bestimmte Angebote im Internet sperren, bieten "eine gewisse Hilfestellung, aber keinen sicheren Schutz."58 Durch pädagogisch betreutes Erkunden des Internets können Kids am wirkungsvollsten vor unliebsamen Online-Erfahrungen geschützt werden, wobei wichtig ist, daß Eltern, LehrerInnen sich selbst mit dem Medium auskennen.
4.4. Begründung Die Notwendigkeit, Funktionen, Möglichkeiten und Risiken der Onlinemedien in der Schule zu thematisieren, wird in der Literatur wie folgt begründet: * Der Wandel von der klassischen Industriegesellschaft zur modernen Informations-gesellschaft, verbunden mit den enormen Zuwachsraten an weltweit verfügbarem Wissen und der Tatsache, daß Informationen einen zunehmend bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellen, hat veränderte Anforderungen für Bildung und Ausbildung zur Folge. "Konsens aller Bildungsverantwortlichen ist, daß diese neuen Anforderungen auch eine Änderung der herkömmlichen Schul- und Unterrichtsstrukturen erfordern: die Schüler müssen in die Lage versetzt werden, sich selbst zu orientieren und mit größerer Eigenverantwortlichkeit ihre Lebens- und Bildungsplanung aktiv zu gestalten."59 "Das Internet erlaubt damit einen neuartigen und offenen Zugang zum internationalen Informationsangebot."60 "Wenn Faktenwissen immer schneller veraltet, müssen eher Techniken trainiert werden, sich neues Wissen anzueignen als leicht abfragbares Wissen auswendig zu lernen."61 "Der Schüler, der unvorbereitet auf solche Arbeitsweisen in eine weitere Ausbildung, ein Studium oder direkt ins Berufsleben einsteigt, sieht sich dem Risiko ausgesetzt, vor allem im internationalen Vergleich ins Hintertreffen zu geraten - ein Risiko, das sich bei der heutigen Weltwirtschaftslage kein Staat mehr leisten kann."62 * Die Verbreitung und die Bedeutung der Onlinemedien als Kommunikations- und Informationsmedium steigt rapide an und hat starke gesellschaftliche Auswirkungen zur Folge. Die Vermittlung von Medienkompetenz wird zur Aufgabe der Schule. "Durch den verbreiteten Einsatz von PCs und die zunehmende Nutzung von Computernetzen rechtfertigt sich eine Beschäftigung mit dem Internet in der Schule durch einen unübersehbaren Gegenwarts- und Zukunftsbezug."63 "Die Computernetze verändern die Kommunikation, den Umgang mit Information und das soziale Verhalten der Menschen. In einer technisierten, von Computern erfüllten, der Computerwirtschaft mitbestimmten und der Jagd nach Informationen gezeichneten Welt könnte kaum ein Medium radikalere Auswirkungen haben als ein weltweites Computernetz." "Ein Medium mit derartigen Auswirkungen auf die Bildung und das gesellschaftliche Leben darf in der Schule nicht links liegengelassen werden."64 Der Einsatz von Online-Medien in der Schule wird mit der Hoffnung auf veränderte Lehr- und Lernformen, einer veränderten Lehrerrolle und erweiterten Lernmöglichkeiten verknüpft. Die Grundcharakteristika dieser Medien (Modularität, Vernetzung und Interaktivität) scheinen geeignet folgende Entwicklungen zu begünstigen: * Erweiterung der möglichen didaktisch-methodischen Ansätze * Förderung von Gruppenarbeit der SchülerInnen * Förderung von zunehmend eigenaktiven und selbstorganisierten Lernprozessen der SchülerInnen im fächerverbindenen Projektunterricht * Förderung von binnendifferenzierten Lernprozessen * Förderung von explorativen Lernprozessen * Förderung von ganzheitlichen Lernprozessen * Öffnung der Schule durch Kooperations- und Kommunikationsprojekte * Förderung interkulturellen Lernens durch Kooperations- und Kommunikationsprojekte * Erhöhung der Motivation bei SchülerInnen durch lebensnahen Unterricht (realistische Kommunikationssituationen, produktorientiertes Arbeiten) * Erweiterung der möglichen Unterrichtsthemen * Stärkung des Lernorts Schule gegenüber "heimlichen Lernorten".65
4.5. Nutzungsmöglichkeiten 4.5.1. Nutzungsmöglichkeiten für LehrerInnen Im Rahmen der Unterrichtsvorbereitung bietet das Internet vielfältige Nutzungs-möglichkeiten für Lehrerinnnen und Lehrer aller Fächer. Beispielsweise kann die Suche nach Texten im Netz unter Umständen sehr viel effektiver als auf herkömmliche Art durchgeführt werden. Im WWW sind Primärtexte, Sekundärtexte, Bibliographien, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, biographische Informationen, wissenschaftliche Untersuchungen, didaktische Materialien, Audio- und Videosequenzen sowie Bilder direkt verfügbar. Tausende von internationalen Instituten aus dem Bereich Forschung und Lehre stellen ihre wissenschaftlichen Materialien im Internet zum Abruf bereit. "Die Informationen sind in der Regel zentral verfügbar, umfassender und aktueller gegenüber dem gedruckten Pendant, zudem recht kostengünstig und bequem von zu Hause aus zugänglich."66 Zunehmend stellen engagierte Lehrkräfte in Privatinitiative ein schulbezogenes Informationsangebot im weltweiten Datennetz zur Verfügung. "Es zeichnet sich auch ab, daß das Internet auch im deutschsprachigen Raum die Akzeptanz findet, die es in den Vereinigten Staaten schon heute hat. Gerade deutschsprachige Lehrer und Lehrerinnen sind daran interessiert, qualitativ hochwertige Unterrichtsmaterialien über das Internet zur Verfügung zu stellen."67 WWW-Publikationen haben dabei gegenüber Veröffentlichungen auf herkömmlichen Medien mehrere Vorteile: * sie sind ohne Zeitverzug verfügbar und können selektiv ausgedruckt werden68 * sie können jederzeit und ohne großen Aufwand überarbeitet und verändert werden.69 Die Kommunikation mittels Email erleichtert die schriftliche Verständigung bei der Organisation von Klassenfahrten und schulübergreifenden Projekten. Der Kontakt zu Institutionen und Ansprechpartnern wird durch den Einsatz der elektronischen Post stark vereinfacht. Das gilt besonders für den internationalen Schriftverkehr. In den Newsgruppen des Internet findet ein globaler thematisch geordneter Austausch statt. Unter Umständen bekommt man dort Antworten auf Fragen, Hilfestellung bei Problemen, Lösungsvorschläge sowie neue Ideen und Erfahrungsmöglichkeiten.70 Die Informationsbeschaffung für den Unterricht mittels Computer und Internetanschluß hat den entscheidenen Vorteil, daß sich die Materialien sofort am Bildschirm weiterverarbeiten lassen und nicht wie Printmaterialien in einem zusätzlichen Arbeitsgang digitalisiert werden müssen.71
4.5.2. Nutzungsmöglichkeiten für SchülerInnen Schüler können das Internet für den schulischen Bereich ebenfalls zu Zwecken der Informationsbeschaffung nutzen. Das Medium kann beispielsweise bei der Erstellung von Referaten oder Erledigung von Hausaufgaben wertvolle Unterstützung leisten. "Diese Arbeit wird vermutlich nie das Lesen und Auswerten von Informationen ersetzen, die in Büchern zu finden sind, aber sie erweitert die Kompetenz der Schüler beim Beschaffen von Informationen."72 Dabei ist zu Bedenken, daß das Netz als internationales Quellenarchiv in der Mehrzahl über fremdsprachliche, meist englische Quellen verfügt. Diese Tatsache kann eine nicht zu überwindene Nutzungsbarriere oder eine zusätzliche Motivation für den Fremdsprachenerwerb darstellen. Die durch das Internet stark erweiterten und vereinfachten Kommunikationsmöglichkeiten mittels Email und News erscheinen geeignet, den Kontakt in Form von privaten Brieffreundschaften und den Austausch in Form von Diskussionsbeiträgen zwischen Schülern auf nationaler und internationaler Ebene zu fördern.73
4.5.3. Nutzungsmöglichkeiten im Unterricht Im "Schulen ans Netz" Handbuch wird die augenblickliche Situation der Internetinitiativen an Schulen sehr treffend auf den Punkt gebracht: "Es gibt zur Zeit vielleicht mehr Fragen als Antworten. Auch künftig ist daher ... die Kreativität jeder Kollegin und jedes Kollegen in der Schule gefordert. Die ... vorgestellten Beispiele können nur Anregungen bieten, mit diesen neuen Medien selbst Erfahrungen zu sammeln, ja sogar das Experiment zu wagen, mit den Schülerinnen und Schülern gemeinsam auf didaktische Entdeckungsreise zu gehen. Zu erwarten ist in jedem Fall eine Bereicherung des Unterrichts, die allen Beteiligten zugute kommt."74 Bei der Planung von Unterrichtsstunden oder Unterrichtsreihen mit dem Internet als Medium bzw. als Unterichtsgegenstand sollten folgende Punkte beachtet werden: * Im Unterricht sollen grundlegende Kenntnisse über das Internet und nutzbare Kompetenzen im Umgang mit dem Internet vermittelt werden. * Durch den Unterricht sollen die SchülerInnen zu selbständigem, kritischem und kreativem Umgang mit dem Medium befähigt werden. * Chancen, Risiken und Auswirkungen des Mediums sollten im Unterricht thematisiert werden.75 * Die Motivationswirkung des Mediums darf nicht zum Selbstzweck verkommen. * Der Einsatz des Mediums sollte mit fachspezifischen Inhalten und Lernzielen verknüpft werden. * Im Rahmen der Binnendifferenzierung müssen unterschiedliche Vorkenntnisse der SchülerInnen beachtet werden. * Eine übertriebene Medienkritik kann SchülerInnen den Zugang zum Internet verbauen.76 Sogenannte Internet-Simulator-CD´s, die Webseiten Offline zur Verfügung stellen, bieten eine kostengünstige Alternative zur Onlinenutzung des World Wide Web. Alternativ zu Internet-Simulator-CD kann die Lehrkraft geeignete Webseiten im lokalen Netz zur Verfügung stellen.77
4.5.3.1. Das Internet als Medium im Unterricht "Bei einem so mächtigen Medium, das über eine so unübersehbare Informationsfülle verfügt wie das Internet, ist es nicht möglich, auch nur im Ansatz die Bandbreite für seine unterrichtliche Nutzung aufzuzeigen."78 In der Literatur werden Internetprojekte zu einer nahezu unglaublichen Vielfalt von Themen wie: die Erstellung einer Schulhomepage, einer Schülerzeitung, eines Materialarchivs, die Sammlung von geografischen und meteorologischen Daten und deren Publizierung, die Begleitung von wissenschaftlichen Expeditionen, der multikulturelle Meinungsaustausch über Kurzgeschichten oder den Vietnamkrieg etc. beschrieben. Die verschiedenen Internetdienste werden im Rahmen dieser Projekte oftmals in Kombinationen genutzt. Die grundlegenden Einsatzmöglichkeiten der verschiedenen Internetdienste im Unterricht kann wie folgt zusammengefaßt werden: * Email: Kommunikation - Versenden und Empfangen von elektronischen Mitteilungen - themenbezogener Meinungs- und Informationsaustausch Die Email-Funktion des Internet kann bei vielen fachbezogenen Kommunikations-vorhaben und fächerverbindenden Projekten wertvolle Dienste leisten. Eine verbreitete Anwendungsmöglichkeit besteht in der Nutzung für den (Fremd-) Sprachunterricht. Analog zur "guten alten Brieffreundschaft" besteht das Hauptanliegen darin, die Motivation der SchülerInnen durch "...die Anwendung der Sprach-kenntnisse in einer realistischen Kommunikationssituation..."79 zu steigern und so die Sprachkompetenz zu fördern. "Der Kontakt zu Gleichaltrigen ist für Schüler hoch motivierend. Vielen Schülern wird erst durch ein E-Mail-Projekt deutlich, warum es nützlich ist, eine fremde Sprache zu lernen."80 Email-Projekte ermöglichen autonome Lernprozesse seitens der SchülerInnen durch fächerverbindene und projektorientierte Gruppenarbeit mit konkreten und aktuellen Handlungsanlässen.81 "An geeigneten Themen für E-Mail-Projekte mangelt es nicht: Generell können alle Einheiten des Lehrbuchs um E-Mail-Projekte zur vertiefenden Information oder zu einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch erweitert werden."82 Derartige Unterrichtsvorhaben sind jedoch mit besonderen Herausforderungen für Lehrerinnnen und Lehrer verbunden. "Sie müssen lernen, mit den Unwägbarkeiten, dem Unvorhersehbaren und der Komplexität umzugehen, die das mit Lerngruppen aus anderen Kulturen vernetzte Klassenzimmer mit sich bringt."83 Erschwerend hinzu kommt der besondere Charakter von Email-Texten, die "als schriftliche Zeugnisse zugleich viele Merkmale gesprochener Äußerungen haben: Spontanität, Flüchtigkeit und Umgangssprachlichkeit."84 Der entscheidende Vorteil des Internet als Kommunikationsmedium liegt in der enormen Übertragungsgeschwindigkeit über weite Entfernungen. IRC und Videokonferenzen erweitern die Möglichkeiten des Emaildienstes - sie bieten schriftliche und audiovisuelle Kommunikation in Echtzeit. * News: Kommunikation - Versenden und Empfangen von elektronischen Mitteilungen - themenbezogener Meinungs- und Informationsaustausch Die Internetdienste News und Mail bieten prinzipiell analoge Möglichkeiten für den Einsatz im Unterricht. Der Unterschied zwischen den beiden Diensten besteht darin, daß "Postings" in eine Newsgruppe weltweit von jedem Internetnutzer gelesen und beantwortet werden können, so daß unter Umständen eine sehr breite Öffentlichkeit erreicht wird. Newsgruppen eignen sich besonders für konkrete Anfragen zu bestimmten Themenbereichen und Wissensgebieten, für die themenbezogene Kontaktaufnahme mit anderen Internetnutzern, für die Anbahnung von Kooperationsprojekten und für Kommunikationsvorhaben mit eher belanglosem Charakter. Mailinglisten besitzen die Funktion von elektronischen Verteilerstellen für Emails und stellen im Prinzip eine Mischung aus Email- und Newsdienst dar. Nachrichten an eine Mailingliste werden an alle eingetragenen Listenmitglieder verteilt. Da unerwüschte Beiträge nicht über die meist moderierten Mailinglisten verteilt werden, eignen diese sich in vielen Fällen besser für den Einsatz im Unterricht als Newsgruppen, die keinerlei Kontrolle unterliegen.85 * WWW: Durchführung von Informationsrecherchen Obwohl das World Wide Web einen erheblichen Anteil an der Popularität des Internet besitzt, werden über die Durchführung von Informationsrecherchem im WWW in der Literatur nur wenige Worte verloren. Diese Nutzungsmöglichkeit des Internet scheint in der Schulpraxis hierzulande noch sehr wenig erprobt. Denkbare Erklärungsansätze wären, daß eine WWW-Recherche den Unterricht weniger planbar macht oder der Mangel an geeigneten Materialien im Netz. Die folgenden Zitate belegen, daß die Meinungen über den Wert dieses Internetdienstes weit auseinandergehen. "Das Internet in Form des World Wide Web wird sich zu einem bedeutenden Lern- und Lehrmittel entwickeln."86 "Die Recherche im Internet gehört zu den elementaren Kompetenzen, die Schüler im Umgang mit dem Medium "Internet" vermittelt werden sollten. Dieser Zugriff auf das neue Medium läßt sich in (fast) allen Fächern nutzen, da die vor allem im World Wide Web zugänglichen Informationen unterschiedlichster Art sind ..."87 "Das WWW ist dasselbe, was die Schüler am Abend mit der Fernbedienung des Fernsehers veranstalten. Zappen, Gucken, Weiterzappen. Animation statt Information, Klick und weg!"88 "Der Nutzen des WWW als Informationsquelle ist für den Benutzer umgekehrt proportional zu der mit dem Suchen dieser Information aufgewandten Zeit."89 Von allen unter Punkt 4.4.3. aufgeführten Nutzungsmöglichkeiten des Internet im Unterricht ist die Durchführung von Informationsrecherchen im World Wide Web für die Schulen am Netz mit den größten Kosten verbunden. * WWW: Erstellung von Web-Publikationen "Schulen und Schüler sollten im Internet nicht nur als Kosumenten, sondern zu allererst als Anbieter erscheinen."90 Schulhomepages und elektronische Veröffentlichungen der Schülerzeitung sind im World Wide Web am häufigsten anzutreffen. "Dies ist eine Chance, die man fast als historisch bezeichnen muß: Noch nie zuvor hatte die Schule die Gelegenheit, sich, Aktivitäten, Projekte und Vorhaben einer so breiten und internationalen Öffentlichkeit wie jetzt zu präsentieren."91 Die Tatsache, daß die Arbeitsergebnisse der SchülerInnen durch Veröffentlichung im World Wide Web, einem potentiell größerem Leserkreis präsentiert werden, wirkt sich im allgemeinen positiv auf die Arbeitshaltung und die Motivation aus.92 Auf dem Server des SchulWeb waren Ende September 1997 insgesamt 1785 deutsche Schulen mit einer Homepage und 446 Schülerzeitungen verzeichnet. "Durch solche Initiativen bietet die Schule ihren Schülern die Gelegenheit zu didaktisch wertvollen Aktivitäten ..."93 Fächerverbindende Projekte zur Erstellung von Webpublikationen bieten ein erhebliches Potential für Kooperation, Kreativität, Motivation und Medienschulung. Dabei ist es von Bedeutung, daß den SchülerInnen großzügige Freiräume für die Planung und Gestaltung eingeräumt werden. WWW-Seiten können mittlerweile mit Hilfe von modernen Textverarbeitungs-programmen oder speziellen Editoren - ohne Kenntnisse der HTML-Sprache - entworfen werden.94 "Gewiß ist die vielerorts proklamierte Krise der Schulen mit den Online-Medien allein nicht zu lösen. Sie können jedoch zumindest eine frische Lernatmosphäre schaffen und Lehrer wie Schüler neu motivieren. Zu welch beachtlichen Ergebnissen dieser frische Wind führen kann, ist schon jetzt im Internet zu bewundern."95
4.5.3.2. Das Internet als Unterrichtsgegenstand Im Rahmen einer Unterrichtsreihe zum Thema "Online-Medien" können eine Vielzahl von medienspezifischen Lernzielen angestrebt werden, die sich in Verbindung mit fachspezifischen Lernzielen bei wiederholter Beschäftigung mit dem Thema in Form eines Spiralcurriculums aufbauen lassen. Die SchülerInnen sollten im Unterricht medienspezifische Grundkenntnisse durch die Behandlung folgender Teilbereiche der Online-Medien erwerben: * Bedeutung der wichtigsten Fachbegriffe * Technische Grundlagen und Funktionsweisen * Struktur des Internet * Angebote und Dienste * Nutzungsmöglichkeiten und Bedienung.96 Hierbei wird die Entwicklung der nachstehenden medienspezifischen Fähigkeiten und Kompetenzen bei SchülerInnen gefördert. * Suchen und Finden von Informationen * Selektion und Speichern von Informationen * Analyse und Bewertung von Informationen * Strukturierung, Aufbereitung und Präsentation von Informationen * Publikation von Informationen im Internet * Möglichkeiten, Funktionsweisen, Zeichen und Regeln der Online-Kommunikation.97 Neben den kognitiven Lernzielen werden bei der schulischen Arbeit mit Online-Medien auch Lernziele im sozialen und affektiven Bereich verfolgt. Beispielsweise können die Kommunikationsbereitschaft und die Fähigkeit der SchülerInnen zu projektbezogener Gruppenarbeit verstärkt werden. Ferner lernen sie die Vor- und Nachteile der Online-Medien gegeneinander abzuwägen und werden sich der Möglichkeiten und Chancen, aber auch der Risiken und Gefahren bewußt.98 Die in einer Unterrichtseinheit zu thematisierenden Risiken und Gefahren untergliedern sich in: Risiken für die Psyche des Netznutzers, Sicherheitsrisiken bei der Online-Kommunikation und Risiken bei der Informationsrezeption aus dem Internet.99 "Es reicht nicht aus, das "trendige Medium Internet irgendwie in den Unterricht zu integrieren. Die Aufgabe liegt vielmehr darin, die Schüler zu einem selbständigen, bewußten und kritischen Umgang mit diesem Medium zu befähigen."100
4.6. Rahmenbedingungen In dem "Schulen ans Netz" Themenheft der Zeitschrift "Computer und Unterricht", wird mehrfach die Notwendigkeit geeigneter Rahmenbedingungen und pädagogischer Konzepte für eine erfolgreiche Veränderung der Lehr- und Lernformen durch die Internetinitiativen betont. Im einzelnen werden folgende Punkte genannt: * Qualifizierung zukünftiger und bereits in der Praxis tätiger LehrerInnen * Unterstützungsmaßnahmen seitens der Schulleitung * Entwicklung eines Schulkonzeptes zur Nutzung von Computernetzen im Unterricht * technische Betreuung der Netze durch spezielles Personal * flexible Stundenplangestaltung * leichter Zugang zum Internet für Lehrpersonen sowie SchülerInnen * Kooperationsprojekte mit externen Partnern * begleitende Schulforschungen.101 Momentan ist der erfolgreiche Einsatz des Internet in Schulen weitgehend abhängig von dem überdurchschnittlichen Engagement einzelner Lehrkräfte. "Auch mit der Initiative "Schulen ans Netz" ist die Realisierung ... nur durch einen sehr hohen individuellen Einsatz einer meist autodidaktisch ausgebildeten Lehrerschaft denkbar. An diese Gruppe werden die vielfältigsten Aufgaben gestellt, die in der Regel "nebenbei", meist ohne Entlastungsstunden, erledigt werden müssen."102 Vielfach wird auf die Dringlichkeit von Fortbildungs- und Unterstützungsmaßnahmen hingewiesen - jedoch: "Die Unterstützungssysteme in den Ländern - die Schulträger, Landesinstitute oder Schulaufsicht - sind in vielen Bereichen an Grenzen ihrer Handlungsfähigkeit gelangt: von den Investitionen in Hard- und Software über Fortbildungsprogramme bis hin zur Entwicklung von Materialien und Lehrplänen. Und doch zeichnet sich ab, daß noch weit mehr getan werden müßte, um stockende Prozesse in den Schulen in Gang zu bringen. Die Trägheit der Schulentwicklung ist mit der Dynamik der Informationsgesellschaft kaum in Einklang zu bringen."103 Die mangelnde technische Ausstattung vieler Schulen bleibt trotz der Initiative "Schulen ans Netz" und ergänzender Länderprogramme ein Problem. Auffällig dabei ist, wie weit Realität und Vision voneinander entfernt sind. Während einige Lehrer auf einer regionalen Fortbildungsveranstaltung von ihrem "museeumsreifen Computerbestand" berichten, werden im "Schulen ans Netz" Handbuch die idealen technischen Rahmenbedingungen für die Nutzung von Netzen an Schulen wie folgt beschrieben. "Vorstellbar ist eine Inhouse-Vernetzung der gesamten Schule zur Unterrichtsnutzung in speziellen Lehrräumen und in Fachräumen mit ISDN-Zugang auf Breitband-Basis oder mit Kanalbündelung. Für die häusliche Unterrichtsvorbereitung von Lehrern sollten Zugangsmöglichkeiten vorgesehen sein. Von jedem Arbeitsplatz aus können Online-Dienste genutzt werden (Koppelung des lokalen Netzes mit weltweiten Netzen). Ziel ist, daß grundsätzlich über den Kommunikationsserver der Schule die Netzdienste "Mail" und "News" sowie interaktive Basis- und Multimedia-Dienste genutzt werden können. Vorzusehen sind darüber hinaus Möglichkeiten zur Text- und Standbild-gebundenen Interaktion. Jedem sollten die interaktive Selektion von Information sowie "Video on demand" und Video- (Tele-) Konferenzen möglich sein. Dazu wäre eine einfach zu konfigurierende Sicherheitsmanagementsoftware zur Zugangs- und Kostenkontrolle mit hohen Anforderungen erforderlich."104 |
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Was bietet das Internet für den Bildungsbereich - wieviel Sinn macht der Einsatz in der Schule? Kiel, 1998 |